Dieses Jahr maschierten am 16. Februar rund 7000 Neonazis unter dem Motto(…) durch Dresden. Dieser größte Neonaziaufmarsch Europas wurde durch die Gegenaktivitäten von nur 1200 Menschen aus dem Antifa-spektrum begleitet. Der Aufmarsch konnte nicht Ansatzweise verhindert werden und einziger kleiner Erfolg blieb, dass die Neonazis nicht wie im letzten Jahr an der Synagoge vorbeimaschieren konnten, da dort die Anfangs verbotene Antifademo endete.
An diesem Tag ging es für die Nazis darum das Bombardement vom 13. Februar 1945 als Bombenholocaust zu skandalisieren und somit Geschichtsrevisionismus und -Relativierung vom feinsten zu betreiben, sprich die deutschen Täter mit deren Opfern gleichzusetzen.
Dies ist jedoch in Dresden, aber auch im restlichen Deutschland kein Monopol einer wie auch immer ausgerichteten Neonaziszene, sondern bietet auch Anknüpfungspunkte zum bürgerlichen Diskurs über Dresden. Zu erkennen war dies bei der bürgerlichen Gegendemonstration, bei der es eher gegen eine von den Bürgern befürchtete Vereinnahmung der Erinnerung durch Neonazis ging, denn um Kritik am Dresdner Opfermythos und der deutschen Erinnerungskultur im Ganzen. So wird auch von diesen die Lüge von den Tieffliegern aufrecht erhalten und vom unsäglichen Leid der Dresdner gesprochen, welches die Alliierten Bomberverbände über die unschuldige Zivilbevölkerung brachten.
Der Krieg der Anti-Hitler Koalition hatte sich jedoch Notwendigerweise nicht nur gegen Hitler und die Eliten des Nationalsozialismus zu richten, sondern musste gerade gegen die deutsche Volksgemeinschaft geführt werden, deren konstitutiver Moment der Antisemitismus war . Der deutsche Mob brachte zum ersten Mal in der Geschichte eben diese Ideologie, auf die ihr immanente logische Konsequenz, sprich die beinahe Ausrottung des europäischen Judentums . Selbst den Untergang vor Augen dachten die Deutschen nicht an Widerstand gegen ihre Befehlsgeber, sondern kämpften weiter an der Heimatfront, als Flakhelfer oder im Volkssturm. Die wesentliche Charakteristik dieser Volksgemeinschaft war wie Adorno es ausdrückte „die Pseudomorphose der klassenlose an die Klasssengesellschaft“ oder mit anderen Worten das verschmelzen von Mob und Elite zu einer Volksfront gegen die Juden. Eben diese Volksgemeinschaft fing in ihrer Raserei den Vernichtungskrieg an, d.h. bombardierte Städte, vernichtete an der Ostfront ganze Dörfer samt Zivilbevölkerung und richtete Fabriken zur Vernichtung des Judentums ein. Sir Arthur Harris formulierte es damals so: „ Sie wollten den totalen Krieg und wir haben ihnen gegeben worum sie gebettelt haben.“
Der Angriff auf Dresden war vielleicht für den Krieg nicht mehr entscheidend, jedoch verhinderte er erstens durch die Zerstörung der Gleisanlagen zwei Deportationszüge und Nachschub für die Ostfront und zweitens verhalf er in dieser Nacht Zwangsarbeitern zur Flucht aus den Lagern in der Dresdner Innenstadt. Eine Dresdner Jüdin die am 16. Februar nach Theresienstadt deportiert werden sollte formulierte es treffend: „Lieber eine Bombe auf den Kopf als nach Auschwitz“.Die sich in dieser auswegslosen Situation befindlichen Mensch, welche als Volksfeinde deklariert dem deutschen Vernichtungswahn schutzlos ausgeliefert waren, wollten lieber durch eine alliierte Fliegerbombe den Tod finden, als in einem Konzentrationslager durch Deutsche.
Kritik sollte des weiteren die Funktion des Opfermythos von Dresden in den Fokus nehmen und diesen nicht nur versuchen zu widerlegen. Denn die derzeitige Erinnerungspolitik der Deutschen im Allgemeinem versucht einen Schlusstrich unter die Geschichte zu ziehen und und die deutsche Geschichte zu relativieren. So setzt die Sudetendeutsche Landsmannschaft, die unter der Schirmherrschaft der CSU steht, immer wieder die Umsiedlung der Deutschen nach dem 2. Weltkrieg mit dem Holocaust gleich oder wollen CDU Politiker am 8.Mai auch den Opfern der Vertreibungen und der Bombardierungen gedenken. In diesem Zusammenhang wird gerade das Verlangen der deutschen nach Normalität deutlich, bei welchem die Vergangenheit den Deutschen zu lästig wird. Und wenn Erinnerung dann muss diese schon als Legitimation für den dritten deutschen Angriffskrieg gegen Serbien dienen, der nicht trotz, sondern gerade wegen Auschwitz geführt wurde, wie es die damalige rot-grüne Regierung auslegte.
Kommunistische Kritik aber, die sich nach dem kategorischen Imperativ Adornos verpflichtet fühlt, „Handeln und Denken so einzurichten, dass Auschwitz nie wieder möglich sei, etwas ähnliches nicht mehr geschehe“, muss sich gegen jegliches deutsches Streben nach Normalität richten, da die Affirmation dieses Zustandes nach der Holocaust ein Hohn gegenüber den Opfern darstellt und nichts weiter bedeutet als ein abschließen mit der Vergangenheit und ein Vorwärts blicken in die Zukunft. Die deutsche Perspektive ist dabei jedoch die Regression zur Barbarei. Auch ist kommunistische Kritik dazu verpflichtet die Verhältnisse, die die barbarischen Reflexe des Antisemitismus als falsche Projektion für die abstrakte Seite des Kapitals auf die Juden hervorbringen, als Ganzes zu überwinden.
Deutsche TäterInnen sind keine Opfer
Gegen das deutsche Streben nach Normalität
Bomber Harris did the right thing